Die Klassen 1 bis 13

Die Unterstufe (1.–4. Klasse)

Der Klassenlehrer führt seine Klasse durch die ersten acht Schuljahre, d.h. er unterrichtet sie jeden Tag während der ersten beiden Schulstunden, den Hauptunterricht, in den Fächern Rechnen, Formenzeichnen, Schreiben, Lesen und Malen. Später kommen Sachkunde, Sprachlehre, Heimatkunde, Wetterkunde und Tierkunde hinzu.

Dabei wird besonderen Wert darauf gelegt, in einer möglichst bildhaften Weise zu unterrichten. So werden die Buchstaben in der ersten Klasse durch das Zeichnen von Formen und anhand von Bildern, die sich aus Märchen und Geschichten ergeben, eingeführt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Hauptunterrichtes ist der Erzählteil, der sich mit der Altersstufe wandelt: 1. Klasse Märchen, 2. Klasse Fabeln und Legenden, 3. Klasse Altes Testament, 4. Klasse Deutsche Götter- und Heldensagen (Mythen und Sagen), 5. Klasse Griechische Mythologie, 6.Klasse Römische Mythologie.

Mit der ersten Klasse beginnt der Fachunterricht gemeinsam für Mädchen und Jungen in Handarbeit, Englisch, Französisch, Musik, Eurythmie, Religion und Spielturnen.

Dabei bildet der Unterricht orientiert am „Bochumer“ Modell einen Schwerpunkt, denn „das bewegte Klassenzimmer“ kommt der heutigen Bewegungsarmut und dem Mangel an Handlungsabläufen der Kinder entgegen und ermöglicht tief verankertes Lernen mit Kopf, Seele und Hand.

Die Mittelstufe (5.–8. Klasse)

Die Kinder haben jetzt die Mitte ihrer Kindheit überschritten. Bis hinein in die Oberstufe wird sich der Übergang zum Jugendlichen vollziehen. Die Schüler erlangen nach und nach die Fähigkeit begrifflich zu denken und wollen immer mehr ihre eigenen Urteile fällen.  

So liegt in der 5. Klasse z.B. die erste Geschichtsepoche. Die Kinder lernen die alten vorchristlichen Kulturen kennen. Mit der 6.Klasse beginnen der Geometrieunterricht und der naturwissenschaftliche Unterricht mit der Physik. In der 7. Klasse kommt die Chemie und Biologie hinzu.

Aber auch die künstlerisch-praktischen Epochen (KPE) bilden in der Mittelstufe einen Schwerpunkt. Dazu zählen Handarbeit (ab Klasse 1), Holzwerken (ab Klasse 5) und Gartenbau (ab Klasse 6). Ab der 6. Klasse werden diese Fächer nach dem sogenannten „Hamburger Modell" gegeben, das heißt, die gedrittelten Klassen durchlaufen diese 3 Fächer in 2 Doppelstunden pro Woche.

Im Gartenbau arbeiten die Schüler der Klassen 6-8 im Schulgarten. Jede Altersstufe bewirtschaftet ihren eigenen Bereich, in dem sie von der Aussaat bis zur Ernte alle Arbeiten kennen lernt und ausführt. Hier steht am Ende in der achten Klasse ein selbständiges Erkennen und Ausführen der notwendigen Anbau- und Pflegemaßnahmen.

Der Klassenlehrer führt die Kinder im Verlauf der Mittelstufe bis in die Gegenwart hinein. Das spiegelt sich auch im Erzählstoff, der von der Griechischen Mythologie und Geschichte über die Römischen Sagen und Römische Geschichte bis hin zu Biographien von herausragenden Persönlichkeiten führt.

Das Einstudieren von kleinen Märchen und Theateraufführungen gehört fast in jedes Schuljahr. Schon die 2. Klasse führt zur Einschulung der neuen 1. Klasse öffentlich ein Märchenspiel auf. Auch in der 5. bzw. 6. Klasse kann es eine Aufführung von „Die Zauberflöte", von kurzen Szenen oder Sketchen aus dem Fremdsprachunterricht oder eines kleinen Theaterstückes geben.

Einen Höhepunkt der 8. Klasse stellt in den meisten Klassen die Achtklassarbeit dar, die individuell und selbstständig anzufertigen ist und in aller Regel einen theoretischen und praktischen Teil umfasst. Dieses Projekt entspricht auf einem anderen Niveau der Jahresarbeit der 12.Klasse. Ebenso gehört auch das Klassenspiel zu den eindeutigen Besonderheiten der 8. Klasse, bei dem es außer auf die individuelle schauspielerische Leistung der Schüler v.a. auf Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Mitdenken für das gemeinsame Projekt ankommt.

Die Oberstufe (9.–12.Klasse)

Die Oberstufe umfasst die Klassen 9 bis 12. An die Stelle des Klassenlehrers treten jetzt ein oder zwei Klassenbetreuer, die ihre Klasse in dieser Zeit begleiten. Sie sind Ansprechpartner der Eltern und stehen für die Schüler allgemein bis hin zu individuellen Gesprächen und Berufsfindungsfragen bereit.

Hauptunterrichtsfächer, die in der Unter- und Mittelstufe vom Klassenlehrer unterrichtet wurden, werden jetzt von Fachlehrern übernommen. Auch dieser Unterricht wird in 3-4-wöchigen Epochen erteilt. Er soll bei den Jugendlichen ein lebendiges Interesse an den Inhalten wachrufen und darüber hinaus auch an die Fragen unserer Zeit anknüpfen. Der Lehrer berücksichtigt neben dem Anlegen von Fertigkeiten, Fähigkeiten und Wissen auch stets die Lebensfragen, die die Jugendlichen tief berühren. Somit sollen einerseits die Jugendlichen gefordert und andererseits in ihrer altersgemäßen Entwicklung gefördert werden.

In der 12. Klasse gibt es drei Höhepunkte, zum einen das Theaterspiel, zum anderen die Jahresarbeit und die Kunstfahrt. Das Theaterspiel beginnt mit der Auswahl der Stücke bereits in der 11. Klasse. In Referaten stellt jeder Schüler ein Theaterstück vor. Die Auswahl wird ebenso wie die Rollenauswahl gemeinsam mit den Schülern vorgenommen. Ende der 11. Klasse beginnen die Proben; die Theaterfahrt folgt am Anfang der 12. Klasse, unmittelbar gefolgt von den Intensivproben und den Aufführungen. In den letzten Schuljahren wurden u.a. aufgeführt „In Love with Shakespeare", „Der Club der toten Dichter", „Der Besuch der Alten Dame" und „Der nackte Wahnsinn".

Die Themen der Jahresarbeiten werden auch im 11. Schuljahr ausgewählt . Die Schüler und Schülerinnen stellen ihr Thema und ihre Vorhaben am Ende der 11. Klasse in der Oberstufenkonferenz vor und eine Jury entscheidet über die Eignung der Themen für diese Projektarbeit und besprechen die Fragen und Änderungsvorschläge mit den Schülern. Im Laufe des Jahres gibt es zwei Workshops zu Techniken der Planung und des Vorgehens und zur Präsentation. Drei Besprechungstermine mit der ganzen Klasse und den Jahresarbeiten-Betreuern geben einen realistischen Entwicklungsstand. Nach Ostern der 12. Klasse muss die schriftliche Arbeit vorgelegt werden und das praktische Ergebnis fertiggestellt sein, so dass die Arbeit in einer öffentlichen Darstellung präsentiert werden kann.

Den letzten Höhepunkt  der 12. Klasse stellt sicher kurz vor den Sommerferien die 2 ½ -wöchige Kunstfahrt dar, eine der letzten gemeinsamen Aktionen der gesamten 12. Klasse.

Die 13. Klasse

Für alle Schüler, die in der 12.Klasse den erweiterten SEK I Abschluss (Realschulabschluss) mit einem gutem Notendurchschnitt erreicht haben, besteht in diesem Schuljahr die Möglichkeit, die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder den schulischen Teil der Fachhochschulreife zu erwerben. Das Abitur an unserer Waldorfschule ist dabei ein staatlich anerkannter Abschluss und wird von den eigenen Fachlehrern unter staatlicher Prüfungsaufsicht abgenommen.